Stiftshaldenstrasse 30–38
Worum geht es?
Die Liegenschaft Stiftshaldenstrasse 30–38 in Schönenwerd ist eine Wohnüberbauung aus dem Jahr 1961 mit einer Energiebezugsfläche von rund 3'450 m². Die Wärmeversorgung erfolgt heute über einen Brennwert-Gasheizkessel mit 200 kW Nennleistung aus dem Jahr 2010.
Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Zukunft der Wärmeversorgung zu schaffen, wurden zwischen Dezember 2025 und März 2026 drei aufeinander abgestimmte Analysen durchgeführt. Jede Analyse beleuchtet einen anderen Aspekt – zusammen geben sie ein vollständiges Bild des aktuellen Zustands und des zukünftigen Bedarfs.
Die drei Berichte
Wie viel Wärme braucht das Gebäude wirklich?
Über rund 55 Tage wurden mit mobilen Messgeräten der tatsächliche Wärmebedarf des Gebäudes erfasst. Das Ergebnis: In der kältesten Periode wurden rund 80 kW benötigt – weit weniger als die installierten 200 kW. Der Bericht zeigt ausserdem konkrete Auffälligkeiten im Betrieb, etwa Fehlverhalten bei der Warmwasseraufbereitung und zu hohe Vorlauftemperaturen.
Was lässt sich sofort verbessern?
Bei einer Begehung der Anlage am 10. Dezember 2025 wurden 13 konkrete Massnahmen identifiziert. Die meisten sind reine Parameteranpassungen und lassen sich ohne grossen Aufwand umsetzen. Mit einem Gesamtinvestment von rund CHF 4'000 sind Einsparungen von über CHF 6'000 pro Jahr realistisch – bei einem ROI von unter einem Jahr für die meisten Massnahmen.
Wie gross muss ein neuer Wärmeerzeuger sein?
Mittels dynamischer Gebäudesimulation nach SIA 380/2:2022 wurde der systemspezifische Heizwärmeleistungsbedarf berechnet. Unter Berücksichtigung des Klimaszenarios 2060 ergibt sich ein maximaler Bedarf von 55.5 kW. Diese Zahl ist die Bemessungsgrundlage für die Auswahl und Dimensionierung eines neuen Wärmeerzeugers – beispielsweise einer Wärmepumpe.
Wie spielen die Berichte zusammen?
Die drei Berichte ergänzen sich und bauen logisch aufeinander auf:
Ist-Zustand verstehen
Der Betriebsoptimierungsbericht und die Heizleistungsmessung liefern ein genaues Bild des aktuellen Betriebs: Was läuft nicht optimal? Wie viel Energie wird tatsächlich verbraucht? Welche Sofortmassnahmen sind sinnvoll?
Kurzfristig optimieren
Die 13 Massnahmen aus dem Betriebsoptimierungsbericht können unabhängig von einem Heizersatz sofort umgesetzt werden. Sie senken den Verbrauch und verbessern den Komfort – ohne grosse Investitionen.
Mittelfristig planen
Der Heizwärmeleistungsbedarf von 55.5 kW (Simulation) und der gemessene Spitzenbedarf von ~80 kW geben zusammen eine robuste Bandbreite für die Dimensionierung eines Ersatz-Wärmeerzeugers. Der heutige Kessel ist mit 200 kW um das Dreifache überdimensioniert – das bietet erhebliches Potenzial für günstigere und effizientere Systeme wie eine Wärmepumpe.
Auf einen Blick
Stiftshaldenstrasse 30
Ziel der Messung
Ermittlung des aktuellen Wärmebedarfs bei Norm-Aussentemperatur (−7 °C) sowie Identifikation objektspezifischer Anomalien im Energieverbrauch. Berechnung gemäss SIA 384/1:2022, Ziffer 4.2.8.
Management Summary
Kurz gesagt: Das Gebäude benötigt für einen normalen Ersatz der Heizung voraussichtlich keine 200 kW, sondern rund 80 kW. Das ist die wichtigste Zahl für die Dimensionierung eines neuen Wärmeerzeugers.
Positiv: Der Bericht sieht keine groben Unregelmässigkeiten im Gesamtverhalten des Gebäudes. Die Messung ist deshalb grundsätzlich belastbar und kann als Grundlage für die weitere Planung verwendet werden.
Wichtig für Betrieb und Kosten: Es gibt Hinweise auf falsch eingestellte Regelung und hydraulische Probleme, insbesondere beim Zeitprogramm, bei der Heizkurve und beim hohen Durchfluss im Heizkreis. Diese Punkte können unnötige Energiekosten verursachen, auch wenn sie den grundsätzlichen Leistungsbedarf des Gebäudes nicht komplett in Frage stellen.
Grösster Optimierungshebel: Das Brauchwarmwasser scheint einen sehr grossen Anteil am gesamten Energieverbrauch zu haben. Das heisst: Nicht nur den Wärmeerzeuger ersetzen, sondern das Warmwassersystem und die Regelung gezielt mitprüfen.
Empfohlene Lesart: Der Bericht ist vor allem eine solide Grundlage für zwei Entscheidungen: erstens die richtige Heizleistungsgrösse beim Ersatz und zweitens die Priorisierung von Betriebsoptimierungen mit Fokus auf Warmwasser, Regelung und Hydraulik.
Kennzahlen
Kernaussage
Der Wärmebedarf bei Norm-Aussentemperatur –7.0 °C beträgt 80.1 kW (inkl. Leistungszuschlag Solar).
Die Daten zeigen keine groben Unregelmässigkeiten. Bei unveränderter Nutzung, Wärmeabgabesystem und Wärmedämmung kann die gemessene Norm-Heizleistung für die Dimensionierung des neuen Wärmeerzeugers verwendet werden.
Die mittlere Leistung (inkl. BWW) über die gesamte Messkampagne betrug 49.4 kW. Die Messung dauerte insgesamt 55 Tage und an 38 Tagen war die durchschnittliche Aussentemperatur unter 5 °C.
* Pauschaler Leistungszuschlag von 15 % für eventuell wegfallende solare Erträge durch Fensterflächen.
Auffälligkeiten & Optimierungspotenzial
Zeitprogramm verschoben
Seit 28. Januar beginnt die Nachtabsenkung um 10:00 morgens statt nachts. Vermutlich wurde die Heizung vom Strom getrennt und die Uhr zurückgesetzt.
Dringend prüfenHeizkurve stark erhöht
Am 20. Februar wurde die Heizkurve um ca. 10 K erhöht. Falls Reaktion auf das verschobene Zeitprogramm, sollte dies rückgängig gemacht werden.
HandlungsbedarfÜberhöhter Durchfluss
Konstant ca. 22 m³/h (1.7 m/s, üblich ~1 m/s). Temperaturspreizung nur 0.7–1.2 K. Überströmventil als mögliche Ursache prüfen.
HandlungsbedarfHoher BWW-Anteil
Geschätzt ~200'000 kWh/a (~70 % des Gesamtverbrauchs). BWW-System im Rahmen einer Optimierung unbedingt untersuchen.
UntersuchenZirkulationspumpe
Unübliche Einbaurichtung verhindert Beurteilung der Zirkulationstemperatur und führt mutmasslich zu Problemen.
PrüfenLeistungskennlinie
24-h-Mittelwerte der Leistung in Bezug zur Aussentemperatur. Interpolation auf Norm-AT von –7.0 °C.
Leistungskennlinie inkl. BWW
Die Punkte werden in reduzierte und hohe Betriebspunkte getrennt; für die Auslegung wird nur die obere Hüllkurve verwendet, damit Absenkphasen die Kennlinie nicht künstlich nach unten ziehen.
Es liegen genügend Messpunkte bei unterschiedlichen Temperaturen vor. Das Resultat ist tendenziell leicht konservativ.

Zeitverlauf
Temperatur und Leistung über die Messkampagne.
Repräsentativer Zeitausschnitt
Das frühe Fehlen periodischer Leistungsspitzen deutet auf einen dauerhaften Ladezustand statt taktender Ladung hin. Dies erhöht die Grundlast.

Rasterdiagramm
1-h-Intervalle über die gesamte Messkampagne.
Heatmap der thermischen Leistung
Der Wechsel des Musters ab 28. Januar ist systematisch — wahrscheinlichste Ursache ist ein Uhrzeitversatz nach Stromunterbruch.

Temperaturen & Durchfluss
Vor- und Rücklauftemperatur

Durchfluss und Temperaturen im Heizkreis

Abb. 1 — Überströmventil
Auf korrekte und sinnvolle Funktion prüfen. Durchfluss bleibt in allen Systemzuständen bei ca. 22 m³/h.
Brauchwarmwasser
Temperaturen BWW

Gasverbrauch vs. Thermische Leistung

Bedeutender BWW-Anteil
Konstanter Wärmebedarf von ~23 kW → geschätzter Jahresbedarf ~200'000 kWh (rund 70 % von 285'000 kWh Gesamtverbrauch). BWW-System bei Optimierung unbedingt berücksichtigen.
Heizsystem
Gasheizung einer Wohnüberbauung mit Raumwärme und Warmwasserversorgung.

Abb. 2 — Schematische Darstellung
Gasheizung (200 kW) versorgt Wohnüberbauung mit Heizwärme und Warmwasser. Zirkulationspumpe in unüblicher Einbaurichtung. Überströmventil im Heizkreis.
Methodik
Die abgegebene Leistung der Gasheizung wird über das Auslesen des Gaszählerstandes berechnet. Thermische Leistungsmessungen erfolgen mit Flexim F5X2TE (Ultraschall-Durchfluss) ohne Eingriff ins Rohrsystem.
Klimastation: Buchs/Aarau (BUS), θe,clm = –7 °C. Bauweise: schwer → θe,0 = −7.0 °C
Verfahren «gemessene Leistungskennlinie», Ziffer 4.2.8. Leistung bei –7.0 °C: 69.7 kW × 1.15 = 80.1 kW.
Φh = 104'699 W (≈ 105 kW). Der gemessene Wert von 80.1 kW ist plausibel.
Datenqualität
Aufgenommene Messspuren
| Messspur | Intervall | Messspur | Intervall |
|---|---|---|---|
| Windrichtung [°] | 61 min | Zählerstand Gas [m³] | 440 min |
| Windgeschwindigkeit [km/h] | 61 min | Ladekreis BWW VL [°C] | 2 min |
| Globalstrahlung [W/m²] | 61 min | th. Leistung [kW] | 1 min |
| Aussentemperatur [°C] | 61 min | Durchfluss [m³/h] | 1 min |
Bilder

Abb. 3 — Messaufbau
Flexim F5X2TE Ultraschall-Durchflussmessung

Abb. 4 — Vorlauftemperatur
Temperaturfühler am Vorlauf

Abb. 5 — Gaszählerkamera
Automatische Ablesung (Sperling)

Abb. 6 — BWW-Temperatur
Installation am Brauchwarmwassersystem

Abb. 1 — Überströmventil
Mögliche Ursache des hohen Durchflusses

Heizraum
Übersicht Heizungsinstallation
Stiftshaldenstrasse 30–38
Ziel der Begehung
Analyse der bestehenden Anlagen und Systeme mit Fokus auf Einsparpotenziale. Optimierungen an Anlagen und Gebäudeautomation ohne Komforteinbussen. Zusätzlich Installation mobiler Messgeräte für die Heizleistungsermittlung.
Management Summary
Kurz gesagt: Die Begehung hat 13 konkrete Massnahmen identifiziert, von denen die meisten mit geringen Kosten (insgesamt ~CHF 4'000) eine geschätzte jährliche Einsparung von über CHF 6'000 erzielen können. Die meisten Massnahmen haben einen ROI unter einem Jahr.
Grösste Hebel: Die Raumtemperatur-Sollwerte sind zu hoch eingestellt (22.5 °C Tag / 20 °C Nacht), die Heizkurve ist zu steil, und das Brauchwarmwassersystem zeigt Fehlermeldungen bei gleichzeitig viel zu hoher Speichertemperatur (70 °C statt 58 °C).
Sofort umsetzbar: Absenkung der Raumtemperatur-Sollwerte, Korrektur der Heizkurve, Reduktion der BWW-Speichertemperatur und Prüfung der Aussenbeleuchtung. Diese Massnahmen erfordern nur Parameteranpassungen.
Fachmann erforderlich: Die Syncro-Steuerung der BWW-Erwärmung zeigt Fehlermeldungen und muss durch Domotec AG geprüft werden. Auch die Einbaurichtung der Zirkulationspumpe ist fraglich.
Kennzahlen
Die Wärmeerzeugung wird durch einen Brennwert-Gasheizkessel 200 kW von Hoval gewährleistet. Die Verteilung in die verschiedenen Zonen erfolgt über einen Hauptvorlauf und -rücklauf. In den Wohnungen sind Heizkörper vorhanden. Für die Brauchwarmwassererzeugung ist zentral ein Domotec Hochleistungs-Wassererwärmer Syncro mit zwei Warmwasserspeichern (1×800 L und 1×500 L) vorhanden.
Allgemeines
Im Rahmen des Energieoptimierungsbesuchs am 10. Dezember 2025 wurden die bestehenden Anlagen und Systeme an der Stiftshaldenstrasse 30–38 analysiert. Ziel ist es, mit geringem Investitionsaufwand durch Optimierungen an den Anlagen und der Gebäudeautomation vorhandene Einsparpotenziale auszuschöpfen, ohne den Komfort der Mieter zu beeinträchtigen.
Zusätzlich wurden mobile Messgeräte für einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen installiert. Diese ermöglichen eine genaue Ermittlung der benötigten Heizleistung. Die gewonnenen Daten sind für eine zukünftige Heizersatzplanung von grossem Nutzen und werden in einem separaten Bericht festgehalten.
Gebäudetechnik HLKS — Übersicht

Allgemeine Massnahmen
Übergreifende Feststellungen und Massnahmen (G_01 – G_06)
G_01 — Einsparpotential
Erdgasverbrauch 2024 nicht bekannt. Es ist mit einer Einsparung von mindestens 10 % zu rechnen. Bewirtschaftung soll historische Energiedaten der letzten 3–5 Jahre bereitstellen.
G_02 — Energiemonitoring
Es ist nicht bekannt, wie die Verbrauchsdaten erfasst werden und mit welcher Periodizität. Bereitstellen der zukünftigen Energiedaten für die Erfolgskontrolle.
HochG_03 — Offene Fenster
Diverse Fenster in der gesamten Überbauung geöffnet. Dies ist ein Indiz, dass es tendenziell zu warm in den Wohnungen ist. Bei einer Aussentemperatur von 10 °C ist die Heizkurve zu hoch eingestellt. Siehe Optimierungsmassnahmen H_01–H_03.
Info
G_04 — Aussenbeleuchtung
Diverse Aussenbeleuchtungen sind auch bei Tageslicht eingeschaltet. Überprüfung und Schaltung der Sensoren neu einstellen.
G_05 — Beleuchtung Allgemein
Die Beleuchtung auf den gemeinsam genutzten Flächen (Allgemein) sind alle noch mit konventionellen Leuchtmitteln bestückt. Ca. 30 Stk. Leuchtstoffröhren (36 W mit EVG) und ca. 25 Stk. Rundleuchten. Ersatz durch LED Retrofit.
G_06 — Installation Allgemein
Installation und Gasheizkessel ist aus dem Jahre 2010. Brennwert-Gasheizkessel 200 kW von Hoval. Diverse Anpassungen nötig, siehe nachfolgende Massnahmen.
Info
Heizung
Optimierungsmassnahmen Heizgruppe (H_01 – H_03)
H_01 — Einstellung Raumkomfort SW 22.5 °C
Zu hoch eingestellt. Schrittweise Absenkung: Schritt 1 SW 22.5 °C auf 21 °C. Schritt 2: Wenn keine Beschwerden nach 2 Wochen auf 20 °C absenken.

H_02 — Einstellung Nachtabsenkung SW 20 °C
Absenkung für die Raumtemperatur in der Nacht kann gesenkt werden. Schrittweise Absenkung: Schritt 1 SW 20 °C auf 18 °C. Schritt 2: Wenn keine Beschwerden nach 2 Wochen auf 17 °C absenken.

H_03 — Heizkurve zu hoch eingestellt
Heizkurve, schrittweise Absenkung. Kennlinie Steilheit 1.3 → 1.25. Parameter: AT –8 °C VL 58 → 55 °C. AT 12 °C VL 35 → 32 °C.
Brauchwarmwasser / Sanitär
Optimierungsmassnahmen BWW-Erzeugung (S_01 – S_04)
S_01 — Brauchwarmwassererwärmung (Syncro)
Steuerung und Regelung der Brauchwarmwasser-Erwärmung ist in Frage zu stellen. Anforderung an Gaskessel die ganze Zeit anstehend? Speicher ist auf 70 °C geladen (viel zu hoch), wie erfolgt die Anforderung an den Heizkessel? Syncro zeigt div. Fehlermeldungen an (E1, E3, E4). Ist der Ausschaltfühler vorhanden oder defekt (E4=05)? Überprüfung durch Domotec AG + evtl. Heizungsinstallateur. Nach Servicerapport wurde die Steuerung Syncro im Juli 2025 ersetzt.
S_02 — Zirkulationspumpe Einbaurichtung
Ist die Zirkulationspumpe korrekt eingebaut? Kontrolle Einbaurichtung, Zirkulationsrichtung und Kontrolle Mischvorrichtung erforderlich. Der Pfeil auf dem Pumpengehäuse zeigt die Durchflussrichtung an.
S_03 — Zirkulationspumpe Dauerbetrieb
Zirkulationspumpe ist an Steckdose angeschlossen und scheint 24 h durchzulaufen. Für Zirkulationspumpe, evt. Impulsschaltung (15 min EIN, 30 min AUS). Es scheint für die ZKP auf diesem Kessel keine Anschlussmöglichkeit zu haben. Somit müsste eine externe Schaltuhr installiert werden, z.B. nur aktiv von 04h00–22h00.
S_04 — Brauchwarmwasser Speichertemperatur > 70 °C
BWW-Speichertemperatur ist viel zu hoch. Reduktion auf 58 °C.

Syncro Sollwert-Einstellungen und Daten
Mobile Messungen
Installierte Messgeräte für die Heizleistungsermittlung.

Durchflussmessung
Ultraschall-Durchflussmessung am Heizkreis

Heizleistungsmessgerät
Aufzeichnung der thermischen Leistung

Kommunikationskomponenten
Datenübertragung und Fernzugriff

Temperaturmessung VL/RL BWW
Vor- und Rücklauf Brauchwarmwasser

Gaszähler-Kameramessung
Automatische Ablesung des Gaszählers
Prinzipschema
Strangschema Heizung

Strangschema Brauchwarmwasser

Stiftshaldenstrasse 30–38
Ziel der Berechnung
Systemspezifische Ermittlung des Heizwärmeleistungsbedarfs mittels dynamischer Gebäudesimulation nach SIA 380/2:2022 als Grundlage für die Dimensionierung von Wärmeerzeuger-, Wärmeverteil- und Wärmeabgabesystemen. Die Berechnung umfasst drei Klimaszenarien, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Heizbedarf zu quantifizieren.
Management Summary
Drei Szenarien, ein klares Bild: Die dynamische Gebäudesimulation wurde für drei Klimaszenarien durchgeführt – Standard (SIA 2028:2010), RCP8.5 2035 und RCP8.5 2060. Der Gesamtheizwärmeleistungsbedarf liegt je nach Szenario zwischen 55.5 kW und 59.7 kW – und damit in allen Fällen weit unter dem heute installierten Brennwertkessel von 200 kW.
Zentrale Erkenntnis: Mit wärmer werdendem Klima sinkt der Heizbedarf. Das Planungsszenario RCP8.5 2060 ergibt 55.5 kW (18.5 W/m²), das konservative Standardszenario 59.7 kW (19.9 W/m²). Die Differenz zwischen den Szenarien beträgt gerade 4.2 kW – der Wärmeerzeuger kann also sicher auf Basis des Standardszenarios dimensioniert werden, ohne wesentliche Überdimensionierung im Zukunftsszenario.
Methodik: Die systemspezifische Berechnung nach SIA 380/2:2022 berücksichtigt alle Gebäudetechniksysteme inkl. Regelung. Die Auslegungstage decken Kaltwetterperioden mit Aussentemperaturen bis −14.1 °C (Standard) bzw. −12.4 °C (2060) ab. Interne Wärmelasten wurden konservativ mit Faktor 0 gewichtet.
Empfehlung: Als Dimensionierungsgrundlage für den neuen Wärmeerzeuger eignen sich die 59.7 kW des Standardszenarios (konservativ) oder die 55.5 kW des Planungsszenarios 2060 (zukunftsorientiert). In Kombination mit den Messdaten aus dem Bericht Heizleistungsmessung lässt sich die optimale Systemgrösse präzise bestimmen.
Einleitung
Bedeutung der Heizwärmeleistungsbedarfsberechnung
Basierend auf der Heizwärmeleistungsbedarfsberechnung werden die Wärmeerzeugersysteme, die Wärmeverteilsysteme wie auch die Wärmeabgabesysteme dimensioniert. Die korrekte Dimensionierung aller Systemkomponenten ist für den Nutzerkomfort, einen effizienten Betrieb, eine lange Lebensdauer der Systeme und optimierte Investitionskosten essenziell.
Mit einer Gebäudesimulation wird dem dynamischen Verhalten eines Gebäudes Rechnung getragen, ganz im Gegenteil zu den herkömmlichen, statischen Berechnungsverfahren. Wir empfehlen stets dynamische Berechnungsverfahren zu verwenden. Denn nur mit der Berücksichtigung dynamischer Effekte kann die Dimensionierung der Systeme optimiert und Kosten eingespart werden.
Grundlegende vs. systemspezifische Berechnung
Allgemein wird bei der dynamischen Leistungsbedarfsberechnung zwischen der grundlegenden und der systemspezifischen Leistungsbedarfsberechnung unterschieden. Die grundlegende Leistungsbedarfsberechnung wird in frühen Planungsphasen, bei noch nicht bekannter Systemtechnik, angewendet.
- Grundlegende Berechnung: Vereinfachungen wie kontinuierlich verfügbare Systeme, unbeschränkte System- und Abgabeleistungen, rein konvektive Wärmeübertragung sowie Vernachlässigung der Frischluftversorgung (nur Infiltration).
- Systemspezifische Berechnung: Alle Gebäudetechniksysteme inklusive deren Regelung werden abgebildet. Dies erlaubt eine deutlich genauere Auslegung sowie eine bessere Komfortbeurteilung, z.B. bei gezielt unterdimensionierten Systemen.
Auslegungstage und interne Lasten
Als Grundlage für die dynamische Heizwärmeleistungsbedarfsberechnung werden Auslegungstage verwendet. Für die Klimadatensätze aus der SIA 2028:2010 sind vier Auslegungstage definiert. Bei der Verwendung eigener Klimadaten ist in der SIA 4010:2023 ein Verfahren zur Ermittlung der Auslegungstage beschrieben.
- Durch die Berücksichtigung einer Kaltwetterperiode am Standort kann sichergestellt werden, dass es zu keiner Unterdimensionierung der Systeme kommt.
- Interne Lasten durch Personen, Geräte und Beleuchtung werden normativ gemäss Raumnutzung vollständig berücksichtigt. Für die Optimierung kann es Sinn machen, Varianten mit reduzierten internen Lasten zu untersuchen.
Projektinformationen
Klima — Szenarien
Die drei Klimaszenarien unterscheiden sich in Datenquelle und Klimaentwicklung. Der Standort Wynau (WYN) ist für alle Szenarien identisch: 422 m ü. M., 7.78° E, 47.25° N.
Klima — Indikatoren
Der Trend ist eindeutig: Mit dem Klimawandel nehmen Hitz- und Sommertage zu, während Frost- und Heiztage abnehmen. Dies bestätigt den sinkenden Heizwärmeleistungsbedarf über die Szenarien hinweg.
Klima — Auslegungstage
Stündliche Temperatur- und Strahlungsverläufe der vier Auslegungstage je Klimaszenario. Die kälteste Periode (Auslegungstag 1) bestimmt den massgebenden Heizbedarf.
Hinweis zur Vergleichbarkeit: Die Diagramme wurden aus den jeweiligen Variantenberichten übernommen. Für einen visuellen Vergleich der Kurven bitte stets die Achsenskalierung mit beachten.
Aussenlufttemperatur an den Auslegungstagen



Globalstrahlung an den Auslegungstagen



Resultate — Gegenüberstellung
Gegenüberstellung der Heizwärmeleistungsbedarfe aller drei Klimaszenarien. Die Werte bilden die Bemessungsgrundlage für die Dimensionierung des Wärmeerzeugers.
Empfehlung zur Dimensionierung
Für die Dimensionierung des Wärmeerzeugers empfehlen wir das Standardszenario mit 59.7 kW als konservativen Ausgangswert. Das Planungsszenario RCP8.5 2060 (55.5 kW) zeigt, dass der Wärmeerzeuger auch bei warmem Zukunftsklima nicht unterdimensioniert wäre — die Differenz von 4.2 kW zwischen den Szenarien ist gering. In jedem Fall stellt der heute installierte Brennwertkessel (200 kW) ein erhebliches Überdimensionierungspotenzial dar.
Gesamtheizwärmeleistungsbedarf — Auslegungstag 4
Hinweis zur Vergleichbarkeit: Für den visuellen Vergleich der Lastverläufe die jeweilige Achsenskalierung im Diagramm mit berücksichtigen.



Resultate — Gebäudeübersicht
Die nachfolgenden Gebäudekennwerte sind szenarien-unabhängig und für alle drei Berechnungen identisch.
Zonen
- Simulierte Zonen333
- Zonen ausserhalb thermischer Gebäudehülle44
Nettogeschossfläche
- Innerhalb thermischer Gebäudehülle2’996.0 m²
- Ausserhalb thermischer Gebäudehülle696.0 m²
Innere Wärmespeicherfähigkeit
- Ohne Wärmeübergang204.7 Wh/m²K
- Mit Wärmeübergang99.2 Wh/m²K
Gewichtungsfaktoren interne Lasten
- Personen0.0
- Geräte0.0
- Beleuchtung0.0


